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LaTeX

Auch wenn der Name LaTeX danach klingt, hat er nichts mit ausgefallener Erotikkleidung oder Zubehör für die Reinigungsindustrie zu tun. LaTex (sprich “Latech”) ist eine Makrosammlung für das professionelle Textsatzsystem TeX. Die zusätzlichen zwei Buchstaben sind die ersten des Nachnamens von Leslie Lamport, seines Zeichens Originalautor des LaTeX-Aufsatzes.

TeX wurde ursprünglich entworfen, um wissenschaftliche Artikel und Bücher damit zu schreiben. Allerdings hat sich das Einsatzgebiet über die Jahre stark erweitert. So gibt es mittlerweile alle möglichen Add-Ons von Lautschrift, wie sie in der Linguistik eingesetzt wird bis hin zum Notensatz für Partituren.

LaTeX ist berühmt für die exzellente Qualität der Druckergebnisse auf der einen Seite und seinen für Anfänger kryptisch wirkenden “Alles ist reiner Text”-Ansatz. Der Vergleich mit einer domänenspezifischen Programmiersprache drängt sich auf.

Allerdings ist der Einstieg in LaTeX selbst für Menschen mit extremer Maus-Afinität schon lange kein unüberwindbares Hindernis mehr, da sich zahlreiche Hilfsmittel rund um das TeX-Satzsystem entwickelt haben.

LaTeX ist und bleibt jedoch ein Satzsystem. Wer Grußkarten oder Einladungen zu Kindergeburtstagen schreiben möchte, der wird mit LaTeX wohl kaum glücklich werden, dafür gibt es definitiv geeignetere Software.

Im folgenden Artikel gebe ich Ihnen einen kurze Einführung in die Arbeit mit LaTeX und werde Ihnen zeigen, dass der Einstieg garnicht so schwer ist. Und wer weiß? Vielleicht lernen Sie ja die Vorzüge von LaTeX nach kurzer Übungszeit zu schätzen. Viele Andere vor Ihnen haben es getan.

Besorgen Sie sich einen geeigneten Editor

LaTeX zu lernen bedeutet am Anfang die Syntax und den Wortschatz von LaTeX zu verinnerlichen. Machen Sie sich das Leben leichter, in dem Sie sich einen geeignete Editor oder gleich eine integrierte Entwicklungsumgebung installieren. Schon die Syntax-Einfärbung ist Gold wert, vom vollautomatischen Setzen der Texte ganz zu schweigen.

Es gibt eine Menge Editoren und Werkzeugen zur Auswahl. Die folgende alphabetische Liste erhebt auf keinen Fall Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll Ihnen als Einstiegspunkt für die Suche nach Ihrem Lieblings-LaTeX-Werkzeug helfen.

  • Eclipse - kann auch LaTeX. Ich wette, Sie haben das geahnt.
  • Emacs oder XEmacs - bieten ausgefeilte LaTeX-Funktionen.
  • LyX - LaTeX in Pseudo Wygiwys. Niedrige Einstiegshürde.
  • MacTeX - Alles-in-Einem-Lösung für Mac OS.
  • MikTex - Alles-in-Einem-Lösung für Windows.
  • TeTeX - der Standard für Linux. Aus gutem Grund.

Ihr erstes Dokument

So, nachdem Sie sich eine LaTeX-Umgebung installier haben, können Sie mit Ihrem ersten Dokument durchstarten. Im Beispiel werden wir ein Buch über Photographie behandeln, da dort eine gute Mischung aus Mathematik, Prosa und künstlerischem Inhalt gefragt ist. Damit decken wir einen breiten Bereich ab.

Für den Anfang starten wir jedoch mit einem nackten Dokument.

\documentclass{book}
 
% Umlaute für MacTeX
\usepackage[applemac]{inputenc}
 
\title{Fotographie}
 
\begin{document}
 
\maketitle
 
\author{Sebastian Bär}
 
\section*{Zusammenfassung}
Fotographie kann Hobby sein oder ein Gelderwerb, getrieben durch künstlerische Ambition, den Wunsch exakt zu dokumentieren oder Freude an der Technik.
% Restlicher Text weggelassen. Der Übersicht halber.
 
\chapter{Aller Anfang ist leicht \dots daneben.}
 
\end{document}

Aufbau eines TeX-Dokuments

<note important>TeX-Quelldokumente beschreiben die logische Struktur eines Textes. Das Layout übernimmt TeX selbst.</note>

Diese Regel sollten Sie sich einprägen, sie ist für das Verständnis von LaTeX entscheidend. Für Sie als Autor heißt das: Sie können sich darauf konzentrieren, den perfekten Inhalt zu liefern, für das optische Ergebnis sorgen Vorlagen die von erfahrenen Buchdruckern erstellt wurden, das gibt's also gratis.

Man kann zwar auch als Autor in die Layout-Mechanismen von TeX eingreifen, das ist aber in aller Regel nicht notwendig und führt - seinen wir ehrlich - selten zu Ergebnissen, die besser sind, als die des eingebauten professionellen Textsatzes. Buchdrucker erhalten ihren Lohn ja nicht umsonst.

Also nochmal in Kurzfassung: Inhalt statt “hier fett, hier Schriftgrad 11”

Präambel

Bevor das eigentliche LaTeX-Dokument beginnt, kommt immer eine Präambel. Sie enthält Vorbereitungen, die der Leser nicht direkt als Text wiederfindet. Dabei wird zum Beispiel der verwendete Zeichensatz eingestellt und der Dokumententyp definiert.

Dokumentenklasse

\documentclass{}

legt die Art des Dokuments fest. Die bekanntesten zwei sind article und book. Da wir in unserem Beispiel ein Buch schreiben verwenden wir das Zweite.

Pakete einbinden

\usepackage[]{}

bindet Makropakete in das vorliegende Dokument ein. In unserem Beispiel wird die Eingabekodierung für Apple-Rechner geladen. Damit stehen uns zum Beispiel deutsche Umlaute zur Verfügung.

Titel

\title{}

definiert den Dokumententitel. Aufgepasst: damit wird der Name nur zur späteren Verwendung im Dokument festgelegt. Gestetzt wird er erst später. Der Sinn dahinter ist, dass man den Titel des Dokuments nur an einer einzigen Stelle ändern muss, wenn er sich ändert. Bei Büchern ändert sich der Titel vom Arbeitstitel zum Titel im Druck häufig, das ist also eine gute Idee.

Das Dokument

Das eigentliche Dokument folgt nach der Präambel. Es enthält typischerweise Inhaltsverzeichnis, Einleitung, Kapitel und ähnliches.

Bereiche

\begin{}
\end{}

klammern einen Bereich. In unserem Beispiel setzen sie Anfang und Ende des eigentlichen Dokuments.

Deckel

Auf Buchdeckeln finden Sie normalerweise Titel, Autor, Verlagsdatum und ähnliches. Im Beispiel beschränken wir uns auf Folgende Punkte:

\maketitle

weißt den Setzmechanismus an, den Titel zu setzen. Üblicherweise auf dem Buchdeckel oder Deckblatt des Artikels.

\autor{}

erklärt sich vermutlich von alleine. Mehrere Autoren können selbstverständlich genauso hineingepackt werden, wie Zusatzinformationen (z.B. E-Mail-Adresse).

Logische Gliederung

Niemand möchte ein Dokument lesen, das ohne Struktur heruntergeschrieben ist. Das strengt an. LaTeX bietet mehrere Makros um die Logische Struktur festzulegen. Die Nummerierung (falls gewünscht) erfolgt natürlich automatisch.

\part{}           % Teilbuch, nur Dokumentenklasse 'book'
\chapter{}        % Kapitel, nur Dokumentklasse 'book'
\section{}        % Abschnitt
\subsection{}     % Unterabschnitt
\subsubsection{}  % Unter-Unterabschnitt
...

Manche Hierarchieebenen machen nur bei umfangreicheren Büchern Sinn. Darum geht es in der Dokumentenklasse article erst bei \subsection los.

Unnummerierte Abschnitte erhält man, wenn man einen Stern an den Makronamen hängt. In Büchern werden z.B. Vorworte überlicherweise nicht mit einer Nummer versehen.

Bereiche außerhalb des Textes

Fußnoten

Fußnoten lassen sich ganz einfach wie folgt erzeugen

\footnote{<Text, der in der Fußnote dargestellt wird>}

Die Nummerierung übernimmt LaTeX, darum brauchen Sie sich nicht bemühen.

Randnotizen

Randnotizen helfen bei der Navigation zu wichtigen Punkten in längeren Fließtexten. Sie erzeugen eine Randnotiz mit

\marginpar[<linker Text>]{<rechter Text>}

Wenn Sie ein doppelseitiges Layout verwenden, dann können Sie auch linke Randnotizen verwenden. Bei allen einseitigen Dokumenten stehen Randnotizen immer rechts.

Verzeichnisse

Literaturverzeichnis

Kein ernsthaftes Dokument kommt ohne Literaturverzeichnis aus. Quellenangaben sind Pflichtprogramm.

\begin{thebibliography}{<breitester Eintrag>}
   \bibitem[<Name>]{<Zitatschlüssel>} Text des Literaturverweises
   ...
\end{thebibliography}

Zitieren Sie aus dem Literaturverzeichnis mit

\cite{<Zitatschlüssel>}

Index

Der Index eines Buchs hilft dem Leser bei der Suche nach Schlüsselbegriffen und ist in jedem größeren Sachtext unentbehrlich.

Erweitern sie die Präambel um folgendes Kommando:

\usepackage{makeidx}
\makeindex

LaTeX weiß jetzt, dass Sie planen, einen Index anzulegen.

Markieren sie alle Begriffe, die im Index erscheinen sollen mit

\index{<Schlüsselwort>}

Gelegentlich muss ein Querverweis im Index erzeugt werden.

\index{Maximale Blendenöffnung|see{Offenblende}}

Den eigentlichen Index erzeugen sie mit der Anweisung:

\printindex

Tipps und Tricks

Die Unterseite zum Thema Wie geht das hält Tips und Tricks für typische Anwendungsfälle bereit.

Pakete

Die verschiedenen verfügbaren Pakete machen LaTeX erst zu dem mächtigen Textsatzsystem, das es ist.

  • tikz - Zeichnen und Plotten innerhalb von LaTeX
latex.txt · Last modified: 2015/05/17 17:44 (external edit)